scheitern als chance abschluß des “Plateaux”-Festivals
eva-maria magel
faz
Wer nach neuen Positionen in der darstellenden Kunst sucht, darf nicht enttäuscht reagieren, wenn er zuweilen in der so neu aussehenden Verpackung etwas findet, das ihm längst bekannt ist. Oder wenn ein Höhenflug in die unerforschten Gebiete unsanft mit einer Bauchlandung endet. Dem Neuen und den jungen Protagonisten der Bühnenkünste eine Chance zu geben war auch im sechsten Jahr das Bestreben des Festivals “Plateaux” im Frankfurter Mousonturm. Kuratiert von Jan-Philipp Possmann, wurden die Arbeiten an acht Abenden in jeweils thematischen oder methodischen Zusammenhängen präsentiert.
Jungen Künstlern die Möglichkeit zu geben, unter professionellen Bedingungen eine Produktion vorzubereiten, macht das Festival zu einer Ausnahme im Kulturbetrieb, bei der das Publikum zu kleinen Preisen Uraufführungen ansehen kann - alle Risiken inbegriffen. Mit genau diesem Risiko, mit dem Scheitern und damit, aus der Negation heraus, der Frage nach dem Gelingen von Theater hat sich am letzten Abend des Festivals ein Gastspiel beschäftigt: David Weber-Krebs, der in seinem mittlerweile preisgekrönten Stück “This Performance” im vergangenen Jahr Jennifer Minetti zwischen die hohen Erwartungen und das Nichts stellte, hat eine Variante dieser Idee präsentiert.
“Fade out” heißt die nicht einmal einstündige Arbeit, deren Konsequenz - noch - nicht viele Produktionen erreichten, die man sonst hatte sehen können. Und das, obwohl “Fade out” das Spielerische keineswegs abgeht. Es ist allerdings auch bitter ernst. Wie schon in “This Performance” werden dem Zuschauer hohe Erwartungen mitgegeben. Lange stehen Carola Bärtschiger und Diego Gil schon reglos auf der Bühne, wenn Weber-Krebs einen - leider schlecht verständlichen - Text in englischer Sprache verliest: Die Performer wollen nach langem Üben etwas Bedeutsames zeigen; etwas, das engagiert ist. Sie haben eine Mission, für die sie alles geben. Jetzt ist der Augenblick, das zu zeigen. Und dann kommt - nichts. Die beiden laufen hin und her, hüpfen unbeholfen, arbeiten sich ab. Von Kostümbildnerin Myriam van Gucht sind sie wohl nicht umsonst in ein bräunlich-grünliches, vage an Trachten erinnerndes Kostüm und Anzug gesteckt worden: Sie erinnern an klassische Kasperlefiguren - aber auch an Karl Valentin und Liesl Karlstadt, ein tragikomisches, absurdes Paar. Die Stille und das langsam abnehmende Licht sind es, die das Theater erobern. Die Bühne ist frei für das sich ausbreitende Nichts. Und das ist plötzlich ganz erstaunlich viel.
