david weber-krebs

wie das ist mit dem Erhabenen
David Weber-Krebs erklärt

 

Was eigentlich ist eine Lecture Performance? Immer häufiger trifft man auf diesen Zwitter aus theoretischem Diskurs und praktischem Zeigen, auf eienr Bühne oder in einem der Kunst gewidmeten Raum. Wie so ein Abend ist, wenn er gut ist, zeigte nun David Weber-Krebs mit “The consequence of infinite endings” anlässlich der Reihe “Plateaux” im Frankfurter Mousonturm, in Kooperation mit dem Kuratorenteam Unfriendly Takeover, das seit einiger Zeit Lecture Performances veranstaltet.

Wie schon in seinem Stück “this performance” das er im Oktober in Frankfurt zeigte, geht es Weber-Krebs um Grosses im Kleinem. Das Erhabene ist sein Thema. Petrarca auf dem Mont Ventoux, die Wanderer auf Caspar David Friedrichs Bild, die vom Betrachter kontempliert, ihrerseits die Natur kontemplieren - mag sich auch noch eine weitere theoretische Matrjoschka auftun, da scheint es noch realtiv gut fassbar, das Erhabene. Wo aber steckt das heute, beim Hören neuer Musik, die an die Stille grenzt, bei Filmen, die ablaufen, bei Tanz, dessen Bewegungen sich bis zum Stillstand reduzieren? Liegt das Erhabene in der Kunst, in der Natur - oder im Betrachter der stets zurückbleibt? Geistreich und präzise, geht Weber-Krebs seiner Frage nach, zeigt Bilder, Filmausschnitte, demonstriert selbst das Verschwinden einer tänzerischen Bewegung und landet mit dem ersten Text über das Erhabene, jenem des Longinus, bei der Rhetorik - und so, in einer witzigen Volte, bei seiner eigenen Performance: was zu beweisen war.

Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Samstag 19. märz 2005.